Rhys Marsh

‘The Blue Hour’ Review: Progressive Newsletter

1st December 2012

Mitunter entsteht der etwas falsche Eindruck, dass an- scheinend irgendwie alle Bewohner Skandinaviens ein Instrument spielen bzw. in ir- gendeiner Band beteiligt sind. Es ist jedoch immer aufs Neue erstaunlich, wie viel qualitativ hochwertige Musik und versierte Künstler aus diesen relativ gering besiedelten Breiten kommen.

Ein weiterer interessanter Vertreter aus nördlichen Gefilden, ist der aus dem norwegischen Trondheim kommende Rhys Marsh, der zusammen mit seiner Band The Autumn Ghost deren drittes Werk „The blue hour“ als ein recht intimes, zu- rückgehaltenes Album präsentiert. Auf gewisse Weise ein typisches Album aus den düsteren, melancholischen Hemi- sphären des europäischen Kontinents, das dennoch mit zaghaften Dynamiksprüngen für gelegentliche Umorientie- rung sorgt.

Rhys Marsh ist ein bekennender Progressive Rock Fan und bediente sich in Vergangenheit und Gegenwart bei seinen Gastmusikern von Bands wie u.a. Jaga Jazzist, Anekdoten, Änglagård, White Willow und Wobbler. Trotzdem ist seine eigene Musik recht weit von sofort erkennbarem, progressi- vem Gedankengut entfernt. Er orientiert sich mehr an einer relaxten, aber auch irgendwie nordisch verschroben wir- kenden, keineswegs alltäglichen Popkultur. Weder zu auf- brausend, mitunter sogar leicht jazzig, verfügt diese kunst- voll arrangierte Musik über einen ganz eigenen Charakter. Das ist mitunter sparsam, zurückgenommen musiziert, aber gleichzeitig anspruchvoll, hin und wieder sogar leicht eu- phorisch und nicht gerade alltäglich in der Präsentation.

„The blue hour“ ist nicht von ungefähr dem poetischen Be- griff zwischen Dämmerung und Sonnenaufgang angelehnt. Der Spannungsbogen zwischen Aufwachen und Schlaftrun-kenheit ist hier musikalisch auf zerbrechliche, hin und wie- der sogar verstörende Weise in edler Form umgesetzt. KS (VM 12, KS 11)

12/15 & 11/15

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