Rhys Marsh

‘Trio’ Review: Babyblaue Seiten

21st April 2013

“‘Trio’ is somewhere between dreamy, spacey art-rock & prog from the King Crimson school”

Um sein drittes, mit einer Bläsersektion realisiertes Album “The Blue Hour” zu promoten, stellte Rhys Marsh ein Trio zusammen, das einige Konzerte gegeben hat. Da die Reaktionen darauf sehr positiv ausfielen, nahm man das vorliegende Album in einer Live-Atmosphäre (genauer: in einer Live im Studio-Atmosphäre, falls es so etwas gibt) auf und präsentierte dabei die Stücke aus den bisherigen Alben in neuen Arrangements.

Nur der Gesang wurde nachträglich nachgebessert. Einen neuen Track gibt es außerdem zu hören: das instrumentale, durch Krautrock und rockende Space-Rock-Jams beeinflusste “Watch the Sky fall” entstand zusammen mit dem Jaga Jazzist-Flötisten Ketil Vestrum Einarsen. Die beiden Begleiter von Marsh am E-Piano und Schlagzeug gehören übrigens einer Band aus Trondheim an, die sich Flashback Caruso nennt.

Nur mit Gesang, Schlagzeug, einer elektrischen Gitarre und E-Piano kommen die Stücke natürlich um einiges spartanischer daher. Ganz besonders wenn man sie mit den Kammerprog-Arrangements von “The Blue Hour” vergleicht. Vielleicht braucht man noch die Atmosphäre eines kleinen Clubs, um die Vorteile einer Trio-Besetzung für diese Art von Musik richtig erkennen zu können. Sehr gerne werden postrockig-meditative Stimmungen ausgebreitet, die immer wieder von dem mehrstimmigen Gesang aufgemischt werden. Aber das Trio kann auch gut abrocken und eindrucksvolle Steigerungen abliefern, so dass stellenweise (wenn auch etwas zu selten) keine Langeweile aufkommt.

Wer eine Fortsetzung von “The Blue Hour” erwartet hatte, wird sich erst einmal daran gewöhnen müssen, dass auf “Trio” keine vielschichtigen Arrangements geboten und dass Prog-Akzente nur ausnahmsweise gesetzt werden. Stattdessen scheinen Singer/Songwriter-, Artpop-Gesangstrio- und Ambient/Postrock-Akzente Oberhand zu gewinnen. Dass man immer wieder mehrstimmige Männergesänge zu minimalistischer E-Piano-, Gitarren- und Schlagzeug-Begleitung hört ist wohl sehr gewöhnungsbedürftig. Dass es auch ohne Gesang geht zeigen die instrumentalen Passagen von “And I wait”, die irgendwo zwischen verträumt-spacigem Artrock und Prog der King Crimson-Schule angesiedelt sind.

“Trio” hinterlässt bei mir zwiespältige Gefühle. Denn das Kontrastprogramm aus gelungenen Instrumentalteilen und solchen mit dominantem, manchmal alles andere übertönenden dreistimmigem Gesang ist nicht ganz leicht zu verkraften.

Babyblaue-Seiten.de

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