Rhys Marsh

‘Trio’ Review: Progressive Newsletter

18th August 2013

Nachdem Rhys Marsh sein

letztes Jahr veröffentlichtes Album „The blue hour” eben- falls live promoten wollte, stellte er dafür ein Trio mit zwei Mitgliedern der Trond- heimer Psychedelic Band Flashback Caruso zusam- men. Im Gegensatz zum Al- bum, das mit jeder Menge

Bläsereinsätzen und Streicharrangement eine Art Chamber Prog bietet, sollte die Liveumsetzung in erster Linie eine Neuinterpretation der Studioversionen darstellen.
Nachdem die Konzerte ausgesprochen gut ankamen, wuchs die Idee, diese Energie und Spontaneität auch im Studio einzufangen, weswegen das vorliegende Album komplett live ohne jegliche Overdubs und technische Nach- justierungen innerhalb von zwei Tagen eingespielt wurde. Was man zu hören bekommt, ist also (fast) genau das, was innerhalb dieser zwei Tage aufgezeichnet wurde. Fast des- halb, weil gerade bei den sehr prägnanten und stimmungs- vollen Gesangsharmonien leicht nachgebessert wurde.

Bis auf das neue, hypnotisch krautige Instrumental „Watch the sky fall“ handelt es sich bei den sieben anderen Titeln um für eine Triobesetzung umarrangierte Versionen des Songmaterials von „The blue hour“. Die Besetzung Gesang / Gitarre, Schlagzeug und E-Piano sorgt naturgemäß für klanglich wesentlich eingeschränkte Interpretationen, je- doch wird wesentlich mehr instrumentaler, solistischer Frei- raum eingeräumt und wurde auch die Liveenergie bestens eingefangen. Dabei können vor allem der bereits angespro- chene Harmoniegesang und sorgsam eingesetzte Dyna- miksteigerungen überzeugen. Hinzu kommt jedoch eine insgesamt wesentlich ruhigere Ausrichtung, in der sich die Musiker vor allem in ihre melancholischen Klangräume ver- tiefen und den Noten Raum zum Atmen lassen, statt auf Virtuosität und inhaltliche Wechsel zu setzen.

Trotz einer ansprechenden, leicht schwirrenden Span- nungstiefe, vermisst man auf Dauer neben dem Verzicht auf Bläser und Streicher auch etwas die spielerische Power, die innere Abwechslung. Gerade in jenen Momenten, wenn es mal etwas jazzig oder rockend freigeistiger zugeht, mit mehr Elan musiziert wird, merkt man, dass in diesem Trio doch noch mehr steckt. Dennoch: ein gutes, bisweilen spannen- des, etwas zu verträumtes Experiment in Dreier Besetzung.

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